Standseilbahnen in Rio de Janeiro und Niterói, Brasilien

Erstmals in der Geschichte dieser schönen Städte finden Sie hier eine Sammlung von Aufnahmen aller uns gegenwärtig bekannten Standseilbahnen. Die Stadt Rio de Janeiro ist an Hügeln gebaut, und ursprünglich bedeckte der Urwald "Mata Atlântica" die Abhänge. Noch heute findet man den kümmerlichen Rest dieses Waldes, und auf einem Pfad im Stadtteil Gávea kann man diesen besuchen und Urwaldatmosphäre geniessen. - Niterói liegt auf der anderen Seite der Baia de Guanabarã 
und kann mit den neuen Katamaranen, welche leider werktags die schönen alten Fähren (Barcas) ersetzen, oder den Schnellbooten (Aerobarcos, Catamarãs) ab Praça XV de Novembro erreicht werden. In Niteroí befindet sich auch das neue von Oscar Niemeyer erbaute berühmte Museu de Arte Contemporânea de Niterói, das einem auf der Felsspitze gelandeten   fliegenden Teller gleicht (Bus 47A ab Niterói-Busstation, links neben der Fährstation).

Die Legenden zu den Bildern beinhalten an erster Stelle den Stadtteil (Bairro) der Bahn, dann folgt, so wünschenswert, die Strasse und weitere Bemerkungen. Bei privaten Bahnen haben wir auf die Adresse verzichtet, da dies die Bewohner der betreffenden Anwesen nicht wünschen. Für die meisten Bahnen existieren keine technische Daten. Alle Bahnen mit einem Geleise haben ein unterfahrendes Gegengewicht. Alle sind elektrisch angetrieben (Motor oben). Der aktuelle Stand der Aufnahmen ist der März 2002.

Eine weitere, seit 1926 geschlossene Bahn, fuhr vom heutigen Standort des Hotels Nice an der Rua Riachuelo an den heutigen Standort des Depots des SantaTeresa-Trams. Aufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Allen Morrison. Im Buch von Waldemar Corrêa Stiel, História do Transporte Urbano no Brasil (Editora Pini Ltda, Brasília 1984), das vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich ist, findet sich  auf den Seiten 331 und 332 eine Beschreibung, doch wird die Bahn dort als "Plano Inclinado Paula Mattos" bezeichnet. 

Unter dem Namen "Elevador Paula Mattos" existierte jedoch von 1883 bis 1896 ein vertikaler Lift ähnlich dem Lacerda-Lift in Salvador, mit einer Höhe von 38 Meter und einer horizontalen Rampe von 33 Meter, etwas weiter stadtauswärts an der Rua Riachuelo Nr. 151, bei einem Strassentunnel. Der Besitzer, Paula Mattos, ein Grundbesitzer, hatte um seinen Kunden den Zugang zu seinen Geschäften zu erleichtern, diesen Lift gebaut. Der Lift hatte eine Grundfläche von 3 m 67 und war für 18 Personen ausgelegt. Der Antrieb, eine Dampfmaschine  System Marshall, 2 zylindrig, befand sich an der unteren Station. Eine Zeichnung findet sich möglicherweise im Arquivo Geral da Cidade, Rua Amoroso Lima 15, Cidade Nova,  nahe der Metrô-Station Praça Once. Fotos sind selten. Nach der Eröffnung des umgebauten Aquäduktes für die Strassenbahn ging die Nutzung des Lifts, schon vorher prekär, stark zurück, und der Lift wurde geschlossen und demontiert. 

Von der Standseilbahn existiert noch die obere Station, die Travessa do  Funicular und ein Bild der Brücke im Museum Casa de Benjamin Constant in Santa Teresa. Eine weitere Bahn wurde zur Errichtung der Christus-Statue auf dem Corcovado errichtet,  und es existieren noch seltene Postkarten davon. Sie wurde abgebrochen. Die Bahn in Niterói fuhr nur von 1907-1916 zum Colégio Salesiano "Santa Rosa". Photo siehe unten, weitere Aufnahme vom Besuch des brasilianischen Präsidenten: damals war Rio de Janeiro noch die Hauptstadt.

Viele relativ versteckte Bahnen sind in letzter Zeit bekannt geworden. Ergänzungen sind immer erwünscht und können an die  elektronische Adresse des Vereins gesandt werden. Danke!
 

Copacabana/Lagoa: Wohnsiedlung, 
Privat, Bahn mit Ausweiche
Copacabana, Pavão/Pavãozinho: Favela. Städtisch. Wird jetzt Mai 2011 modernisiert, neue Fahrzeuge. Text (1) unten
 
 
Glória. Bahn zum Outeiro de Glória. Oeffentlich. 
Wurde 1993 erneuert. Text (2) und Link unten
Glória. Blick auf Talstation
 
 
 
Laranjeiras. Rua Rumânia. RioArte. Halböffentlich
Cosme Velho. Haus wird verkauft. Privat. Ausser Betrieb
   
Santa Teresa. Kloster Santa Teresa (an Tram-Linie, 
kurz nach Lapa-Viadukt). In Tunnel. Oeffentlich
Santa Teresa. Kloster Santa Teresa. Gebrauchsanleitung
 
   
Santa Teresa. Nach Tramstation 
Curvelo. Privat. Ausser Betrieb
Santa Teresa. Tramdepot. Das Gebäude hinter dem Depot
ist die ehemalige Bergstation einer Standseilbahn
   
Lagoinhas. Wohnsiedlung Equitava. Nach 
Tramendstation Dois Irmãos. Privat 
Botafogo. Friedhof São João Batista. Für den Transport 
der Besucher und Särge. Halböffentlich
   
Penha. SuperVia Linie D. Hügel mit Kirche bei Fahrt vom Flughafen rechts sichtbar. 2002 renoviert. Gläubige benutzen auf Knien die daneben liegende, in Stein gehauene Treppe (mit 382 Stufen!)
Penha. Neue parallel laufende Linie.
Wurde 1983 eröffnet. Text (3) ganz unten. 
Mit freundlicher Genehmigung des
Santuário da Penha
   
Usina. Colégio Regina Coëlhi. Wurde renoviert. 
Halböffentlich
Niterói. Colegio Salesiano "Monte Rosa". 
1907 - 1916. Sammlung Wetzel
 
(1) Die Standseilbahn wurde modernisiert. Die fünf Stationen wurden modernisiert und ein neues halbpanoramisches Fahrzeug mit Platz für 18 Passagiere eingesetzt. Vorher war sie zwei Monate ausser Betrieb. Inzwischen wurde sie neu eröffnet.

(2) Die Standseilbahn Outeiro da Glória, 1942 eingeweiht, wurde durch die Prefeitura 2003 modernisiert. Einen Panoramalift, wie versprochen, gab es nicht, aber neue Fahrzeuge, neue Schienen und eine neue Antriebsmaschine, und das Schienenbett wurde erneuert. Die Totalkosten beliefen sich auf BRR880'000 (ca. USD390'000). Die Arbeiten begannen im September 2002 durch Riourbe. Eine Aufnahme findet man unter http://img.groundspeak.com/waymarking/large/28063989-3800-41e9-bc5b-81be242ef0d6.jpg.

(3) Die Standseilbahn Penha II läuft parallel zur Bahn I. Sie hat eine Kapazität von 25 Personen pro Fahrzeug (Penha I nur 12) und ist rollstuhlgängig. Erbaut wurde sie auf Grund einer Ausschreibung von den Firmen Seel und Tereng. Eröffnet wurde die neue Linie am 5. Oktober 2003. Die Gesamtkosten betrugen BRR975'000 (USD435'000). Die Länge der Bahn ist 150 m, die Fahrzeit 3 Minuten und 15 Sekunden, was einer mittleren Geschwindigkeit von 0,8 Meter/Sekunde entspricht. Die Bahn Penha I existiert noch, ist aber ausser Betrieb. Da der Aufstieg von Penha zur unteren Station beschwerlich ist, soll nun zur Ergänzung eine neue Standseilbahn vom Stadtteil Penha mit insgesamt zwei Stationen erstellt werden. Die Bahn beginnt an der Avenida Nossa da Penha und führt mit einer Länge von 188 Metern zu einer Station bei einem  Eingang der Favela Vila Cruzeiro. Von dort führt die Bahn mit einer Länge von 58 Metern zur unteren Station der bestehenden Bahn, die weiterhin zur Kirche führt. Die Totallänge der neuen Bahn ist somit 246 Meter. Sie soll Ende April 2012 eröffnet werden und BRR17,6 Millionen kosten. Das Fahrzeug mit Panorama-Kabine wird 25 Passagiere fassen. 

Für die obere Strecke der neuesten Bahn zur Favela Dona Marta in Botafogo haben wir schöne Aufnahmen erhalten, die wir auf einer separaten Seite veröffentlichten. Es waren seinerzeit die ersten öffentlich bekannten Aufnahmen. Inzwischen wurde im Mai 2008 die untere Strecke eröffnet, und wir haben Links zu zahlreichen neuen Bildern auf dieser Seite. Eine weitere Bahn wird am anderen Ende der Favela gebaut. Während die bestehende Bahn, von der Rua São Clemente in Botafogo aus gesehen rechts liegt, wird die neue Bahn vom gleichen Ort aus gesehen links liegen. Man erreicht sie über einen ebenfalls neuen Liftturm mit zwanzig Metern Höhe (mit zwei Kabinen, eine für Waren, die andere für Besucher) und von der oberen Station über eine Passerelle. Die Bahn wird eine Länge von 300 m haben und drei Stationen. 

Im Stadtteil Leme, am Ende des Copacabana-Strandes in Richtung Stadtzentrum, soll eine weitere Bahn zur Favela Babylonia gebaut werden, die drei Stationen und eine Länge von 150 m hat. Am oberen Ende soll ein Aussichtspunkt entstehen. 

Ferner im Bau ist eine Standseilbahn zur Favela Rocinha, die bei einem Strassentunnel bei São Conrado beginnt. Sie soll bis Ende September 2010 betriebsbereit sein. Sie hat 3 Stationen, die beiden zusätzlichen Stationen sind an der Via Sul und der Rua 1, mit einer Länge von 150 Metern. Es sind Kabinen für 20 Passagiere vorgesehen. Es sind zwei weitere Standseilbahnen geplant. Für eine davon müssen allerdings etliche Häuser entfernt werden. Diese zweite Bahn hat ebenfalls drei Stationen und führt von Valão zur Rua 2, nahe beim geplanten ökologischen Park. Die dritte Bahn (auf Seite 6, der letzten Seite des pdf-Dokuments) ist mit einem Projekt des französischen Architekturbüros Druot (Paris) verbunden. 

Die Favela Morro do Alemão erhält eine Gondelbahn mit fünf Stationen. Die Vorbilder sind in Medellin, Kolumbien (Linie 3 der dortigen Metro) und Caracas, Venezuela. Sie ist jetzt fertig gebaut. Die Probefahrten haben begonnen, sie soll bis Ende Jahr in Betrieb sein. 

Weitere Bahnen sind im Hafengebiet im Quartier Gamboa geplant. Sie führen zum Morro da Providência, zwischen der Bahnstation  Central do Brasil und dem Hafengebiet. Es handelt sich um eine Pendelbahn (Luftseilbahn) mit drei Stationen - Central do Brasil, Morro da Providência und Cidade do Samba - , einer Länge von 665 Metern und einer Kapazität von 1000 Personen pro Stunde, sowie um eine Standseilbahn von der Ladeiro do Barroso zur Praça da Igreja do Cruzeiro, mit Fahrzeugen für 10 Personen, voll rollstuhlfähig, welche zusammen das Gebiet der Favela erschliessen sollen.

Die weltbekannte Pendelbahn auf den Zuckerhut, die sich Bondinho nennt (eigentlich kleines Tram, was sie aber wirklich nicht ist!), die drittälteste der Welt von 1912, hat als Ersatz der von Nardo in Italien entworfenen Kabinen von 1972 kürzlich als dritte Generation vier neue Kabinen von CWA Constructions in Olten (Schweiz) sowie eine neue digitale Steuerung der Firma Frey AG. in Stans (Schweiz) erhalten. Obwohl die neuen Kabinen nur 65 statt 70 Passagiere befördern können, steigt die Zahl der transportierten Passagiere um 115 auf 1360 pro Stunde, denn die untere Sektion fährt mit bis zu 6 Meter/Sekunde, die obere sogar mit bis zu 10 Meter/Sekunde. Die Fahrzeit beträgt 3 Minuten pro Sektion. Die acht Tragseile wurden bereits 2002 ersetzt und stammen von der Firma Inauen-Schätti AG. in Schwanden im Kanton Glarus (Schweiz).
 
Seitenanfang
Dona Marta
Standseilbahnen
FLB Hauptseite
Ferrolatino Homepage